3 . Cookies im Spannungsfeld unserer Interessen

Liebe Barbara

Du kennst wahrscheinlich das Märchen von Hänsel und Gretel. Als der Vater das Geschwisterpaar in den Wald führte, hatten die beiden nur ein Laib Brot bei sich. Um wieder nachhause zu finden, markierten sie ihren Weg mit Brotkrümeln. Vögel pickten die Krümel jedoch auf und der Weg nachhause war für die beiden nicht mehr sichtbar.

Wie würde dieses Märchen in die heutige, digitale Welt übertragen werden?

Hänsel und Gretel dargestellt von Alexander Zick. Das Geschwisterpaar sucht seinen Weg nachhause.
Das Märchen von Hänsel and Gretel. Darstellung von Alexander Zick 


Unser Weg durch das Internet wird ebenfalls mit Cookies markiert. Das Problem dabei ist nur, dass unsere digitalen Krümel nicht verschwinden und auf diese Weise auch für dritte sichtbar sind. Ich habe mir deshalb in letzter Zeit viele Gedanken über Cookies gemacht. Welche Interessen werden durch diese Datenspeicherung vertreten? Profitieren User von Cookies, oder sind das nur Organisationen? Doch bevor ich dir Antworten auf diese Fragen geben kann, muss mal geklärt werden:

Was sind Cookies?

Ein HTTP-Cookie ist eine kurze Textdatei, die im Browser des lokalen Rechners beim Besuch einer Website gespeichert wird. Bei einem späteren Besuch der Website wird auf dieses Cookie zurückgegriffen. Auf diese Weise wird das Browserverhalten eines Users gespeichert.

Unsere digitale Welt funktioniert nur durch den Einsatz von Cookies.

Stell dir vor, dass du beim Online-shoppen jedes Mal dieselben Produkte auswählen oder auf deinem Facebook-Profil dich jedes Mal aufs Neue einloggen musst, sobald du auf eine neue Seite klickst. Viele andere Personalisierungen, wie beispielsweise die Umstellung der Seitensprache, basieren ebenfalls auf Cookies. Bequemlichkeit und Schnelligkeit machen uns Browser-Verhalten aus.

Was ist das Problem mit Cookies?

Daten können natürlich missbraucht werden. E-Mail-Adressen für Spam-Mails werden zum Beispiel durch Cookies von dubiosen Seiten gesammelt. Malware, Identitätsmissbräuche und andere Hackerangriffe führen zum Teil auf fehlerhafte und ungenügend geschützte Cookies zurück.

Userdaten als digitale Währung

Facebook und Google sind nicht umsonst Giganten. Das sind die zwei Organisationen, die die meisten personenbezogenen Informationen haben und diese an dritte interessierte Parteien weitergeben.  Viele Websites uns Services stehen uns kostenlos zur Verfügung, weil sie sich über Werbung finanzieren. Durch Cookies wird Werbung auf den jeweiligen User und die jeweilige Userin zugeschnitten. Das funktioniert durch Cookies von Drittanbietern. Als User können wir daher manchmal nicht nachvollziehen, welche Organisationen Informationen über uns haben.  

Datenschutz?

Als einzelne Person kann man sich schwer dagegen wehren. In der EU wurde daher die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) 2018 wirksam, nach der vor allem Organisationen verpflichtet sind personenbezogene Daten zu schützen. An dieser Stelle möchte ich nicht zu sehr ins Detail gehen. Mehr Informationen zur Datenschutz-Grundverordnung findest du bei der Österreichischen Datenschutzbehörde.  

Was ist unsere Rolle als Content-Strateginnen?

Im Online-Marketing und auch als Betreiberinnen einer Website möchten wir von unseren Usern so viele Informationen wie möglich erhalten: wer besucht meine Seite, was ist von Interesse, wie lange haltet sich die Person auf der Seite auf … Content soll für unsere Zielgruppe relevant sein, ihr Interesse packen und einen Mehrwert darstellen. Je mehr wir über unsere Zielgruppe wissen, desto besser können wir Content optimieren. Ohne entsprechendes Werkezeug, wie beispielsweise Google Analytics, ist das nicht möglich. In meiner professionellen Rolle nutze und profitiere ich daher von Cookies. Die Umsetzung der Datenschutz-Grundverordnung hat mich monatelang im Rahmen meiner Arbeit beschäftigt. Auf der anderen Seite browse ich im Internet als Privatperson und hinterlasse somit auch meine „digitalen Brotkrümel“. Ich möchte nicht, dass meine Daten von Dritten missbraucht werden und manchmal erschreckt es mich, was manche Werbeanzeigen über mich wissen.

Ein Akt der Balance und Aufklärung

Cookies sind ein nicht wegzudenkender Bestandteil unserer digitalen Welt. In einer Welt mit Informationsüberfluss und Kampf um Aufmerksamkeitspannen sind personenbezogene Daten wertvoller, denn je und müssen entsprechend geschützt werden. Die Entscheidung über meine personellen Informationen muss bei mir bleiben. Daher liegt es auch in meinem Interesse mich über Rechte und Schutzmaßnahmen zu informieren. Jedoch muss uns auch im Klaren sein, wie sehr Cookies unser Leben im Internet erleichtern.

Kurzgesagt

Ich möchte entscheiden, ob meine Brotkrümel, wie bei Hänsel und Gretel verschwinden, oder ob sie von Vögeln aufgepickt werden und verschwinden.

Wie denkst du darüber?

Liebe Grüße,
Sarah

P.S. Vielleicht fragst du dich, wie ich auf dieses Thema gestoßen bin. Der Open Sourced Reprting Network von VOX hat dazu einen spannenden Beitrag erstellt: