9. Persönlichkeit gestalten

Liebe Sarah,

du hast mich in deinem letzten Blogartikel „THIS IS FOR EVERYONE“ gefragt, wie ich in Bezug auf die Aktualität einzelner Beiträge oder Seiten im Internet denke. Wenn ich auf der Suche nach Inspiration, Trends oder Ideen bin, finde ich es gut, wenn das Datum der Veröffentlichung angeführt ist. Ich weiß nicht, ob du Pinterest benutzt und ob dir aufgefallen ist, dass bei Pins kein Erscheinungsdatum mehr angezeigt wird? Vor allem zu Beginn hat mich das sehr irritiert, denn damals war es für mich wirklich wichtig, dass Pins zumindest aus demselben Jahr sind. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und finde es sogar ganz gut, dass man nicht weiß, in welchem Jahr die Pins hochgeladen wurden. So lasse ich mich vielleicht weniger von Trends leiten und sehe mögliche Ideen unabhängig von ihrer Aktualität.

Ich finde, wir sollten mal gemeinsam am responsiven Auftritt und der Accessibility unseres Blogs feilen.

Am besten im September, bevor unser Studium wieder beginnt. Was hältst du davon?

Im Rahmen der Lehrveranstaltung Accessibility and Multiscreen Design habe ich den Talk von Val Head – Building More Expressive Products – An Event Apart 2018 angeschaut und werde hier darüber schreiben. Ich möchte gleich vorne weg eines los werden. Während des ganzes Talks von Val Head wartete ich darauf, wie sich ihre Tipps mit Accessibility vereinen lassen. Und weißt du was? Sie hat das Wort Accessibility nicht einmal erwähnt. In ihrem Talk gibt sie uns viele Tipps, wie wir digitale Produkte und Dienstleistungen persönlicher und aussagekräftiger gestalten können, schließt aber einen Teil der Bevölkerung aus. I missed this!

Nichtsdestotrotz möchte ich dir über folgende Prinzipien schreiben:

  • Eine Persönlichkeit kreieren und mit dem User agieren
  • Die Persönlichkeit mit Bewegung (Motion) ausdrücken
  • Die Persönlichkeit mit Ton (Sound) ausdrücken

Eine Persönlichkeit kreieren

Ein Produkt, oder eine Dienstleistung braucht eine Persönlichkeit, um mit dem User zu interagieren. Wie aber findet man die richtige Persönlichkeit? Dazu können folgende Fragen helfen:

  • Wie kann die Persönlichkeit dem User helfen etwas zu erreichen?
  • Wie ist ihr Gemüt und ihre Stimmung?
  • Wie ist ihre Wissenslage? Ist sie schlauer als der User?

Um dieser Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen, gibt es viele Möglichkeiten: Typographie, Schreibstil, Farben, Layout, Motion und Sound

Jeder dieser Aspekte kann die Persönlichkeit mit Eigenschaften und Werten, die auf den User wirken, unterstreichen. Da die ersten vier genannten häufig im Fokus stehen, spricht Val Head in ihrem Talk nur über Motion und Sound.

Die Persönlichkeit mit Bewegung ausdrücken

Die Art der Bewegung ist maßgeblich daran beteiligt, wie sie bei uns ankommt und was sie bei uns bewirkt:

  • Ruhige, weiche und beruhigende Animationen: sanftes einblenden und gleiten wie es calm.com verwendet
  • Sichere, stabile und starke Animationen: klare, direkte Bewegungen, gerade Linien, symmetrisches Erscheinen. Keine Unschärfen, Sprünge oder schnelles Überblenden.
  • Lebendige, energiegeladene, freundliche Animationen – diese Wörter werden häufiger verwendet, um Bewegung zu assoziieren. Verwendung: schwingende, überschwingende und sanft springende Bewegungen. Die Animationen in Slack sind hierfür ein gutes Beispiel:
  • Spielerische, lustige und unbeschwerte Animationen: Elastische, pringende Bewegungen mit Effekten (Bounces, Elastic, Shape Morphs, Squash und Stretch)

easings.net und greensock.com sind Bibliotheken für Animationen und ein guter Start, wenn du mal was ausprobieren möchtest.

Die Persönlichkeit mit Sound ausdrücken

Val Head erwähnt, dass wir weniger Ton verwenden, je größer unser Display ist. Ist dir das schon mal aufgefallen? Im Allgemein wird Sound auf mobilen Endgeräten eher akzeptiert und angenommen. Für viele User kann Sound nervend sein, vor allem wenn:

  • die Situation nicht angemessen ist
  • wenn er zur falschen Zeit abgespielt wird
  • wenn er zu laut ist
  • wenn der User ihn nicht kontrollieren kann

Es gibt aber gute Möglichkeiten, Sound geeignet einzusetzen und zu gestalten um die Aussagekräftigkeit der Persönlichkeit zu unterstreichen. Dazu solltest du diese Punkte beachten:

  • Eine kurze Dauer (unter 400 ms)
  • Für positives Feedback: aufsteigendem Intervall enden
  • Für negatives Feedback: in absteigendem Intervall enden
  • Den Usern die Kontrolle zu Stoppen oder Anpassen geben

Hast du schon mal „Earcon“ gehört? Das ist ein Icon für unser Ohr und erhöht die Wiedererkennung. Auch zum Unterscheiden von Brands kann Sound sehr hilfreich sein: zum Beispiel, wenn die Waschmaschine singt, wenn sie fertig ist, wenn du eine Nachricht auf deinem Smartphone bekommst, oder wenn du an ein Meeting erinnerst wirst.

Sinnvoll und unterstützend ist Sound auh dann, wenn der User etwas fertig oder richtig gemacht hat, als Feedback zum Beispiel. Sound kann auch helfen, sich im virtuellen Raum zurechtzufinden: Zum Beispiel, wenn du auf ein Bild klickst und es sich vergrößert: Sound kann dir das räumliche Gefühl, dass das Bild näher kommt, vermitteln.

In Bezug auf Accessibility müssen wir uns in dieser Hinsicht wohl selbst an der Nase nehmen, um auch Personen mit Einschränkungen einen Zugang zu aussagekräftigen Produkten zu gewähren. Das ist vor allem bei Animationen allerdings wirklich schwierig.

Auf aneventapart.com kannst du den ganzen Talk nachschauen 🙂