22. Symbiose Studium und Arbeit

Hey Sarah,

wie geht es dir mit der Trennung in deinem neuen Beruf und dem Studium? Gibt es bei dir eine klare Trennung zwischen Arbeit und Studium? Oder kannst die Arbeitszeit auch zum Arbeiten an Projekten verwenden? Ich schreibe die Masterarbeit für das Unternehmen, in dem ich arbeite. Da verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Studium schnell. Eigentlich ist es eine Symbiose, denn beide profitieren voneinder. Die Arbeit jedenfalls davon, dass ich Erlerntes sehr unkompliziert ausprobieren und anwenden kann. Das Studieren profitiert dann von der Erfahrung und bringt mir einen direkten Praxisbezug zur Theorie.

Zusätzlich gibt es ja noch die Projektarbeiten, die jeweils ein Projekt im echten Leben sind (oder waren) und wirklich nützliche Informationen und Wissen lieferten. Natürlich kann nicht alles gleich angewendet werden, so manch Erlerntes würde auch die vorhandenen Ressourcen im Unternehmen sprengen. Ja, wenn es zur Arbeitszeit kommt, verschwimmt diese durch das Studium auch: Projekte, die im Studium für die Arbeit durchgeführt werden, verlagern sich auch in die Freizeit. Naja, im Laufe des Studiums hat es schon mehrere Situationen gegeben, die sich wirklich gut ergänzt haben. Hier ein paar Beispiele:

  • Basic Tipps für SEO konnte ich direkt anwenden und im Team weitergeben
  • Marketing: Die Wichtigkeit der funnels konnte bei einer Social Media Kampagne angewendet werden
  • Projektarbeiten in Bezug auf Markt- und Userrecherche 
  • Schreiben im Internet: Die Tipps aus dem ersten Semester für Ecommerce Texte
  • Content Modelling ist gerade in meiner aktuellen Phase der Masterarbeit essentiell

Das sind jetzt eher kleine taktische und kurzfristige Empfehlungen und Entscheidungen die ohne langwierige Diskussionen umgesetzt werden konnten. In der Masterarbeit sollen auch strategische Handlungsempfehlungen für einen bestimmten Teil des Unternehmens enstehen. 

Ich denke, dass es auch bei Ayla und ihrem Arbeitgeber so ist. Zumindest habe ich das aus ihrem Blogartikel über Visualisierung so herausgelesen.  

Auch bei Linda ist es ähnlich, wie sie hier schreibt.

Wie ist das bei dir, liebe Sarah? f

20. Und schon wieder fast vorbei

Hey Sarah, 

bald ist es schon wieder vorbei – unser vorletztes Semester! Wie geht es dir? Bist du bei deiner Feasibility Studie schon gut vorangekommen?

Für mein Projekt war der eigentliche Plan, eine Customer Journey zu analysieren. Im Zuge der Recherche habe ich aber herausgefunden, dass das Angebot für die Journey noch zu wenig bekannt und ausgefeilt ist. Deshalb musste ich einen Schritt zurück machen und am Angebot und der Plattform feilen. Im Moment bin ich noch am analysieren von qualitativen Interviews. Denn der Schritt zurück bedeutet in diesem Fall auch herauszufinden, was Menschen eigentlich brauchen, was sie sich vorstellen können und wünschen, wenn es ums nachhaltige Online-Einkaufen von Lebensmitteln geht. 

Ich habe mich für Semi-Structured Interviews entschieden. Falls dich der Unterschied zwischen structured, semi-structured und unstructured Interviews interessiert, kann ich dir dieses kurze Erklärvideo von the NNGroup empfehlen:

 

Das, was mir für die Feasibility noch fehlt, ist eine Marktanaylse der Grazer Bevölkerung, um herauszufinden, ob es überhaupt genug interessierte Menschen gibt. Ich bin da schon neugierig… 

 

Außerdem habe ich mal Zeit gefunden und Blogbeiträge von uns Cos19ies gelesen 🙂 Deine kenne ich ja 🙂 

Beim Durchlesen bzw Hören erinnerte ich mich wieder an die Anfänge dieses Semesters und auch an die der vorangegangenen. Manches scheint so lange her zu sein und anderes, als wäre es gestern gewesen … 

… ein Blogpost von Linda über Buyer Personas erinnert mich an die Personas, die ich im Zuge der empirischen Projektarbeit erstellt habe und die mich eine ganze Zeit lang begleited haben.

Julia schreibt in einem ihren letzten Beiträge über ein Motivationstief am Ende des dritten Semesters – da hab ich mich auch wieder gefunden. 

… vom Podcast von Karo und Paul habe ich ein paar Episoden angehört und musste mehrmals mehrfach schmunzeln. Das Insider-Wissen, das die beiden teilen ist allerdings nicht nur lustig. 

… Kerstin gibt auf ihrem Blog mutvoll wie immer ganz ruhig und gelassen Tipps. Zum Beispiel, wie man das Vertrauen der Kund*innen gewinnt und behält. Oder wie man die DNA einer Brand gut definiert. Das sind nicht nur für diese Zeit wertvolle Tipps 🙂

Es gäbe noch so viel mehr zu lesen und lernen von all den Cos19ies 🙂 

Ich hoffe, es geht dir gut, liebe Sarah! Bis morgen und viele Grüße aus Graz <3

6. Wie siehst du das?

Liebe Sarah, 

meine Antwort war schon lange in meinem Kopf, hat den Weg zu dir aber erst jetzt gefunden. Erst vor kurzem hörte ich ein Interview mit Kübra Gümusay und war beeindruckt, denn noch nie hatte ich in dieser Weise über unsere Sprache nachgedacht. Umso mehr freute ich mich über deinen Beitrag 🙂 Und dieser wiederum macht mich neugierig, mehr zu diesem Thema zu erfahren und zu lesen. 

Mein Beitrag befasst sich mit etwas Verwandtem – mental models. Kannst du dich erinnern? Wir haben in diesem Semester sowohl in Information Architecture als auch in UX Design darüber gesprochen. Und da ich mich in meiner zweiten Projektarbeit unter anderem mit einem Prototypen beschäftigen werde, habe ich ein bisschen zu diesem Thema recherchiert.

eine einfache Illustration zeigt einen offenen Kopf und eine Sprechblase: wow, I never knew!
dieses Bild kommt von Haikal Lim, veröffentlicht auf uxplanet.org

„A mental model is a set of beliefs about how a system works and how people interact with that system based on their beliefs.“

Cipan, V. UX Passion

Ein mental model ist die individuelle gedankliche Abbildung der Realität basierend auf unseren Erfahrungen und Gelerntem. Wie jeder Mensch denkt, dass etwas funktioniert: zum Beispiel eine App oder ein System. Unsere Handlungen und Entscheidungen beruhen darauf und wir sind ständig am vergleichen unserer mental models mit der Realität. Wenn sich etwas nicht so verhält, wie annehmen, sind wir verwirrt.

Für das Gestalten von Websiten, Apps oder für das Aufbereiten von Informationen für User, sind wir die Übersetzer: Wir machen verständlich, was die Technik im Hintergrund braucht oder macht, um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Wenn es sich dabei um neue Informationen oder Anwendungen handelt, ist es sinnvoll, diese zuerst in bekannte Systeme zu platzieren. Ein Beispiel dafür ist der Desktop auf deinem Computer: Dir ist bestimmt schon einmal aufgefallen, dass hier lauter Worte wie in einem Büro verwendet werden: Ordner, Datei, Papierkorb. Bekannte Begriffe also, um die Bedienung von Computern verständlich zu machen – denn als diese eingeführt wurden, wusste das niemand.

Symbole wie im Büro, webdesignerdepot.com

Bevor du so etwas machst, solltest du jedenfalls so gut wie möglich wissen, was und wie deine Zielgruppe denkt.

“Our bodies and brains are developed to prefer environments in which we don’t have to think so hard about what we’re doing.”

Andrew Hinton, Understanding Context 

Solltest du User von einer neuen Art der Bedienung überzeugen wollen, ist es wichtig, dass du genau erklärst und zeigst, wie diese funktioniert. Feedback ist also untentbehrlich. Vor allem musst aber davon überzeugen, dass dein Vorschlag viel besser ist, als bereits Bekannte ;-). Das ist gar nicht so einfach, denn mental models, auf die wir uns schon lange verlassen können, verändern wir nicht so einfach.

In meiner zweiten Projektarbeit muss ich auf gleich zwei mental models Rücksicht nehmen: Wir möchten unsere Kunden und Kundinnen im das Gramm in digitaler und interaktiver Form über den wahren Wert von Lebensmitteln informieren. Einerseits möchten wir damit deren mental model in Bezug auf den Lebensmittelhandel beeinflussen, andererseits das in Bezug der Aufbereitung der Infos für das Smartphone. Ich werde in diesem Beitrag nicht näher darauf eingehen, denn es würde den Rahmen sprengen 🙂

Nun gut, ich freue mich, wieder von dir zu lesen 🙂

Barbara

https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/mentale-modelle/9560

5 . Unsere Sprache – Abbildung unserer Realität?

Liebe Barbara

Wir verbringen mehr Zeit auf unseren Smartphone Nachrichten zu lesen als auf unseren jeweiligen Computer Bildschirmen. Daher stimme ich dir vollkommen zu ein responsives Webdesign ist unablässig. Wir beide werden an unserem Blog contentlog arbeiten und Erfahrungen sammeln. Umso besser ist, dass wir unsere Erkenntnisse und Learning in Form unser Logeinträge miteinander teilen können!

Bevor wir unseren gemeinsamen Blog contentlog begonnen haben, mussten wir die Frage klären, in welcher Sprache wir schreiben werden. Wir haben uns schlussendlich auf Deutsch geeinigt. Warum erwähne ich das? Ich habe mir vor kurzem das Buch „Sprache und Sein“ von Kübra Gümuşay gekauft und bin dabei es zu lesen. Die türkisch stammende Autorin, ist in Deutschland aufgewachsen und hat ebenfalls in Großbritannien gewohnt. Ihr Buch folgt einer Sehnsucht nach einer Sprache, die Menschen nicht auf eine Kategorie reduzieren. Dieser Blogartikel ist unmittelbar entstanden, als ich das erste Kapitel ihres Buches gelesen habe.

Was war zuerst: Wahrnehmung oder Sprache?

Sprachsysteme spiegeln die unterschiedlichen Perspektiven der sprechenden Personen wider. Zum Beispiel gibt es im Schwedischen das Wort lagom, es beschreibt den perfekten Zustand. Nicht zu viel, nicht zu wenig, sondern genau richtig. In den letzten Tagen habe ich versucht eine Liste mit meinen Lieblingswörtern zu sammeln. Viele davon zieren jetzt meine Küchenwand.

So gibt es beispielsweise im Japanischen Begriffe, die spezielle Formen von Ästhetik und Empfindung einfangen, die im Deutschen nur beschrieben werden können:

  • komorebi, beschreibt das Sonnenlicht, das durch die Blätter von Bäumen schimmert
  • fuubutsushi sind Dinge – Gefühle, Gerüche, Bilder – die Erinnerungen bzw. die Sehnsucht nach einer bestimmten Jahreszeit wecken

Besondere Ausdrücke gibt es in vielen Sprachen:

  • fika ist im Schwedischen eine Zeit am Nachmittag für Tee, Kaffee und Kuchen
  • gurfa im Arabischen steht für die Menge an Wasser, die sich in einer Hand schöpfen lässt
  • meraki im Griechischen bedeutet die hingebungsvolle Liebe, Leidenschaft und Energie it der sich jemand einer Tätigkeit widmet
  • boketto im Japanischen ist das, was wir im österreichischen liebevoll mit „ins Narrenkastal schauen“ beschreiben

Dir fallen sicherlich auch Wörter im Deutschen ein, die man schwer in eine andere Sprache übersetzen kann (wie zum Beispiel das vielsagende Wort „also“).

In jeder Sprache liege „eine eigentümliche Weltsicht .“

Wilhelm von Humboldt: Schriften zur Sprachphilosophie: Werke in fünf Bänden.

Ich möchte mit dieser Liste veranschaulichen, dass es in unterschiedlichen Sprachsystemen andere Wahrnehmungen auf die Welt gibt. Mehrsprachige Personen sind daher fähig ihre Perspektive auf ihre Umgebung zu erweitern. Die Sicht auf die Welt wird bunter. Durch diese Differenzen werden jedoch auch die Unzulänglichkeiten eines Sprachsystems deutlich. So gibt es beispielsweise Sprachen, die Menschen nicht nach ihrer Geschlechtsidentität kategorisieren (Finnisch, Türkisch, Swahili …)

Die deutsche Sprache hat ein grammatikalisches Geschlecht und differenziert zwischen weiblichen und männlichen Bezeichnungen. Die Debatte zu geschlechtssensibler Sprache führe ich selbst seit Jahren und ich möchte an dieser Stelle nicht zu sehr darauf eingehen, sondern lediglich klar und unmissverständlich meine Meinung äußern:

Berufsbezeichnungen in der grammatikalisch männlichen Form rufen vor allem Bilder von Männern hervor und marginalisieren somit Frauen. Wir müssen uns dieser Tatsache beim Schreiben und Sprechen bewusst sein.

Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.

Ludwig Wittgenstein

In unserer ersten Lehreinheit zu Information Architecture im Rahmen unseres Content Strategy Studiums hat uns Roger Sheen die Fisch Analogie des Autors David Foster Wallace präsentiert:

„This is Water“ – an Essay by David Foster Wallace

Die Grenzen unserer Sprache werden uns nur deutlich, wenn man sich mit anderen Sprachen beschäftigt. Als angehende Content Strateginnen müssen wir versuchen außerhalb unserer Sprachnormen zu blicken. Unsere Perspektive auf die Welt durch die unterschiedlichen Blicke der User sehen.

In den Worten der Autorin :

Wir müssen uns mit der Architektur der Sprache beschäftigen, die unsere Realität erfassen soll. Damit wir aussprechen können, was ist. Damit wir sein können, wer wir sind. Damit wir sehen können, wer die jeweils anderen sind.

Kübra Gümuşay: Sprache und Sein.